«Ein Ort der Begegnung, der Bildung und der Inspiration»

    Das Schloss Aarwangen strahlt nach einer Umbauphase in neuem Glanz. Es ist zu einem Raum geworden, in dem regionale Identität gelebt wird und lädt dazu ein, Geschichte sinnlich und interaktiv zu erleben. Highlights wie die multimedialen Ausstellungen, thematische Escape Rooms oder ein Kinderparadies unter dem Dach begeistern Gross und Klein. Anna Fintelmann, Leiterin des Schloss Aarwangen, wünscht sich, dass viele Menschen sich mit dem Schloss Aarwangen identifizieren.

    (Bilder: zVg) Das neue Schloss Aarwangen ist ein lebendiger Ort der Vermittlung, des Spiels und des Austauschs.

    Anfang Mai wurde das Schloss Aarwangen mit einem grossen Eröffnungsfest für die Bevölkerung neu eröffnet. Wie war die Eröffnung, welches Feedback bekamen Sie von der Bevölkerung und den Besuchern?
    Anna Fintelmann: Die Eröffnung war ein grosser Erfolg – über 2000 Gäste haben das neu gestaltete Schloss an diesem Tag besucht. Die Atmosphäre war festlich, neugierig und sehr herzlich. Besonders gefreut hat uns das positive Echo aus der Bevölkerung: Viele lobten die gelungene Mischung aus historischer Authentizität und modernen Ausstattung. Das Schloss wurde mit offenen Armen erstmals in Besitz genommen, nachdem es bis dahin über Jahrhunderte kein Ort war, an welchem man gern und freiwillig die Zeit verbracht hat.

    Das historische Schloss Aarwangen wurde nach umfassender Sanierung zum modernen Erlebnisort umgestaltet. Wie sieht das Konzept konkret aus?
    Das neue Schloss Aarwangen ist ein lebendiger Ort der Vermittlung, des Spiels und des Austauschs. Unser Konzept verbindet historische Inhalte mit interaktiven und digitalen Formaten, wobei ein besonderer Fokus auf regionalen Bezügen liegt. Ziel ist es, Geschichte für alle Generationen zugänglich und erfahrbar zu machen – niederschwellig, partizipativ und mit einem klaren Bezug zur Gegenwart.

    Können Sie kurz etwas über die Ausstellungen im 1. und 2. Stock sagen. Was erwartet das Publikum dort?
    Im ersten Stock steht die Geschichte des Schlosses im Zentrum – insbesondere seine Rolle als bernischer Verwaltungssitz und Gericht. Den zweiten Schwerpunkt legen wir auf die Wirtschaftsgeschichte des Oberaargaus. Wir zeigen, wie sich Arbeitswelten über die Jahrhunderte verändert haben – von der Landvogtei bis zur modernen Industrie- und Dienstleistungsregion. Ein extra für das Schloss choreographierter Industrieroboter ist sicher das Highlight.

    Ein spannendes und erlebnisreiches Paradies erwartet die jüngsten Schlossbesucher unter dem grossen Walmdach. Wie sieht dieses «Kinderschloss» konkret aus?
    Das «Kinderschloss» ist ein zauberhafter Erlebnisraum, der speziell für Kinder konzipiert wurde. Es gibt eine fantasievolle Rätseltour, kreative Spielstationen und viel Raum zum Entdecken und Ausprobieren. Hier können Kinder selbst aktiv werden, Geschichte spielerisch erleben und das Schloss auf ihre Weise erkunden.

    Die Renovationsarbeiten waren sehr aufwändig und umfangreich. Wie lange haben sie gedauert und wie sieht das Resultat aus?
    Die umfassende Sanierung und der Umbau dauerten von 2022 bis 2025. Entstanden ist ein offenes, barrierefreies Schloss mit moderner Infrastruktur, das seinen historischen Charakter bewahrt hat. Die Verbindung von Alt und Neu ist deutlich spürbar – nicht nur architektonisch, sondern auch im Vermittlungsansatz.

    Auf was wurde bei den Renovationsarbeiten besonderen Wert gelegt?
    Im Mittelpunkt stand die denkmalgerechte Instandsetzung des historischen Bauwerks. Gleichzeitig war es uns wichtig, das Schloss für die heutige Nutzung fit zu machen – sei es durch moderne Haustechnik, digitale Infrastruktur oder barrierefreie Zugänge. Besonders viel Sorgfalt floss in die Wiederherstellung der originalen Bauelemente, die nun in neuem Glanz erstrahlen. Das «neue» Schloss Aarwangen zeigt sich in einem freundlichen eleganten Stil.

    Welche Bedeutung hat das Berner Schloss kulturhistorisch für den Kanton Bern sowie die Schweiz?
    Schloss Aarwangen ist ein zentraler Erinnerungsort für die Verwaltungsgeschichte des alten Bern, aber auch für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung des Oberaargaus. Es steht für die Verbindung von politischer Macht, regionaler Identität und historischer Kontinuität – und ist damit ein wertvoller Beitrag zum kulturellen Gedächtnis des Kantons Bern und der Schweiz.

    In der Ausstellung stehen unter anderem die Wirtschaftsgeschichte des Oberaargaus und ihre veränderten Arbeitswelten im Fokus.

    Wieso muss man das Schloss Aarwangen unbedingt besuchen?
    Weil es mehr als ein Museum ist: Das Schloss Aarwangen lädt dazu ein, Geschichte sinnlich und interaktiv zu erleben. Highlights wie die multimedialen Ausstellungen, thematische Escape Rooms – wo sonst kann man aus historischen Gefängniszellen ausbrechen? –, ein VR-Spiel sowie das Kinderschloss machen den Besuch zu einem vielschichtigen Erlebnis für alle Altersgruppen. Das Schloss ist ein Ort der Begegnung, der Bildung und der Inspiration.

    Wie viele Besucherinnen und Besucher erwarten Sie in der ersten Saison?
    Wir rechnen mit rund 12’000 Besucherinnen und Besuchern. Besonders freut uns die Vielfalt des Publikums – Familien, Kafi-Gäste, Geschichtsinteressierte bis hin zu Kulturliebhabern und im kommenden Schuljahr Schulklassen.

    Schloss Aarwangen soll auch ein Begegnungsort für die Menschen aus der Region sein. Welche Idee steckt dahinter?
    Wir verstehen das Schloss als offenen Ort für Austausch und Teilhabe. Es soll nicht nur besucht, sondern auch genutzt werden – für Veranstaltungen, Bildungsangebote, kulturelle Initiativen oder private Anlässe. Damit schaffen wir einen Raum, in dem regionale Identität gelebt und weiterentwickelt werden kann.

    Welche besonderen Events sind zurzeit geplant und wie sehen die Pläne für nächstes Jahr aus?
    Das Programm für die erste Saison wird demnächst veröffentlicht. Geplant sind unter anderem Themenführungen, Lesungen, kleinere Konzerte, Workshops, kulturelle Abende und spezielle Angebote für Schulen und Familien.

    Was wünschen Sie sich für das Schloss Aarwangen?
    Ich wünsche mir, dass das Schloss ein Ort wird, der Menschen begeistert, inspiriert und verbindet. Ein Haus, das mit der Region lebt und in der Vergangenheit und Zukunft in einen fruchtbaren Dialog treten. Und ich wünsche mir, dass viele Menschen – ob aus Aarwangen oder von weiter her – diesen Ort als «ihr» Schloss erleben und in guter Erinnerung behalten.

    Interview: Corinne Remund


    Die Stiftung Schloss Aarwangen wurde am 3. November 2020 gegründet. Sie kümmert sich um den Erhalt und die Pflege der historischen Schlossanlage, macht diese mit einem ganz neuen Angebot öffentlich zugänglich und belebt mit kulturellen und gesellschaftlichen Veranstaltungen.

    Die Stiftungsgründer sind: Einwohnergemeinde Aarwangen (bis 2022: Kurt Bläuenstein, ab 2023: Niklaus Lundsgaard-Hansen), Peter Regenass, Markus Bösiger, Müller + Partner Architekten AG (Beat Müller), Marcel Cavin, Simon Kuert. Seit dem Jahr 2023 ergänzen Hans-Jürg Käser und Simon Egger den Stiftungsrat.

    www.schloss-aarwangen.ch

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